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20-Megawatt-Batterie soll finnisches Bier klimaneutral machen – pv magazine Deutschland

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Das Projekt bringt neben dem Bierbrauer noch eine Reihe weiterer Unternehmen zusammen, vom Lieferanten des Batteriespeichers bis hin zum Vermarkter und Betreiber virtueller Kraftwerke. Durch eine ausgeklügelte Steuerung des Speichers zielen die Architekten dieser Lösung darauf ab, den Energieverbrauch und den Kohlenstoffausstoß der Getränkefabrik zu senken.

von pv magazine global

Eine Batteriespeicherfirma, ein Technik-Konglomerat und ein Anbieter virtueller Kraftwerke betreten eine Bar… Nein, das ist nicht der Anfang eines Witzes, sondern war vielleicht der Beginn eines großen Speicherprojekts in Finland. Denn nach einer Reihe von Ankündigungen von Photovoltaik- und Energiespeicher-Projekten bei einigen der größten Brauereien Europas sieht es danach aus, dass Freunde von Hopfen und Malz im hohen Norden Europas nicht mehr lange warten müssen, bis sie Bier genießen können, das nicht von unnötigen Kohlenstoffemissionen getrübt wird.

Siemens Smart Infrastructure, eine Tochtergesellschaft des Technologiekonzerns Siemens, baut eigenen Angaben zufolge ein Speicherprojekt mit 20 Megawatt auf dem Gelände des finnischen Getränkeherstellers Sinebrychoff. Der Konzern ist eine Tochtergesellschaft der Carlsberg-Gruppe und gehört mit einem Abfüllvolumen von mehr als 300 Millionen Litern Bier und Erfrischungsgetränken zu den großen Brauerei- und Getränkeherstellern in Finnland. Das Unternehmen hat sich demnach verpflichtet, bis 2030 seine Produktionsprozesse CO2-neutral zu machen.

Die Lösung von Siemens umfasst eine modulare 20-Megawatt-Edgestack-Batterie, die von Fluence geliefert wird, dem Joint-Venture von Siemens und AES Corporation. MW Storage International, ein in der Schweiz ansässiges Unternehmen für die Integration und den Betrieb von Speicheranlagen, wird nach der Erstinvestition in das Projekt 69 Prozent der Anteile an der Batterieanlage behalten. Siemens Financial Services unterstützt das Vorhaben durch das Risikomanagement und die finanzielle Strukturierung der Transaktion zwischen den verschiedenen Beteiligten. Darüber hinaus war die Finanztochter an der Entwicklung des Geschäftsmodells beteiligt. 

„Energiespeicherung bietet nicht nur den Kunden, sondern auch dem Stromnetz erhebliche Vorteile“, sagte Dennis Fehr, CFO bei Fluence. „Wir freuen uns, unsere branchenführende Technologie in das Projekt einzubringen und dieses Servicemodell in Zukunft mit Siemens und MW Storage International zu wiederholen.“

Darüber hinaus sind auch der finnische Stromnetzbetreiber Fingrid und Vibeco an dem Projekt beteiligt. Vibeco, ein finnischer Spezialist für virtuelle Kraftwerke und ebenfalls Siemenstochter, wurde damit beauftragt, eine Handelsplattform für das System bereitzustellen, die es der Bierfabrik ermöglicht, an verschiedenen Märkten für Energieprodukte im finnischen Stromnetz teilzunehmen.

„Wir arbeiten seit Jahren mit Sinebrychoff zusammen und unterstützen dieEnergieeffizienz- und Emissionsreduktionsziele. Dank historischer Energiedaten und der Bündelung der Kompetenzen verschiedener Akteure können wir jetzt die Digitalisierung nutzen, um Einsparpotenziale zu schaffen und die Qualität der Stromversorgung der Brauerei zu verbessern“, sagte Matthias Rebellius, Vorstandsmitglied der Siemens AG und CEO von Smart Infrastructure. „Gemeinsam mit unseren Partnern können wir ein innovatives Dienstleistungsmodell anbieten, um Industrieunternehmen aktiv beim Übergang in die grüne Wirtschaft zu unterstützen.“

Siemens Smart Infrastructure wird auch den Netzanschluss der Brauerei überholen, um diesen für die neuen Aufgaben des virtuellen Kraftwerks zu wappnen. Die gesamte Lösung, einschließlich der Batterie selbst und der Handelsplattform, soll bis zum Sommer nächsten Jahres fertig gestellt sein.

Die Batterieanlage benötigt ein halbes Fußballfeld Platz, welcher von der Brauerei zur Verfügung gestellt wird. Die Batterie soll künftig den Strom für den Betrieb der Brauerei liefern, so die Projektpartner. Den Angaben nach soll die Brauerei dadurch rentabler arbeiten können, da sie mit dem neuen System die Energieeffizienz verbessern und durch ein flexibles Lastprofil und das Angebot von Netzdienstleistungen neue Einnahmequellen finden könne. Die Partnerunternehmen werden diese Funktionen mit der Integration von Wettervorhersagen und anderen fortschrittlichen Analysefunktionen koppeln, um die Anlage weiter zu optimieren.

Gemäß der Ankündigung soll dieses Projekt ein Aushängeschild für das virtuelle Kraftwerks-Geschäft von Siemens sein. Einzelne Lasten im werkseitigen Mikronetz werden intelligent betrieben, um einen gewissen Lastausgleich im Versorgungsnetz zu ermöglichen. Wenn die Lösung erfolgreich ist, wird sie die Notwendigkeit einer erheblichen Energiereserve zur Stabilisierung des Netzes nach dem Ein- und Ausschalten großer Industrielasten überflüssig machen. Der Verzicht auf diese Reserven birgt ein immenses Potenzial zur Reduzierung der Kohlendioxidemissionen auf dem finnischen Energiemarkt.

„Wir sehen darin das Speichermodell der Zukunft für verschiedene Industrien, darunter auch für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie“, fügte Wilfried Karl hinzu, der CEO von MW Storage International. „Die Unternehmen profitieren von modernster Speichertechnologie, finanziellen und ökologischen Vorteilen sowie von ausgewiesener Expertise und einem attraktiven Lizenzmodell.“