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BEE: Unzureichendes Strommarktdesign verantwortlich für hohe Erneuerbaren-Kosten – pv magazine Deutschland

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Der Verband räumt mit den Mythen auf, dass es allein dem wachsenden Anteil von Photovoltaik und Windkraft geschuldet ist, wenn etwa die Kosten für das Einspeisemanagement stark steigen. Es liegt nach Ansicht des BEE vielmehr am Strommarktdesign, welches auch die Tendenz zu negativen Strompreisen fördert.

Zu Wochenbeginn sorgte ein „Spiegel“-Artikel für Aufregung. So sollen 2020 nach ersten Schätzungen bis zu 1,34 Milliarden Euro an Entschädigungen für das sogenannte Einspeisemanagement angefallen sein. Dies betrifft die Zahlung von Ausfallvergütungen für Betreiber von Photovoltaik- und Windkraftanlagen, wenn diese wegen Netzengpässen trotz Einspeisevorrangs abgeregelt werden müssen. In ihrem noch unveröffentlichten Bericht geht die Bundesnetzagentur davon aus, dass sich die Kosten für Redispatch und Einspeisemanagement gegenüber 2019 erhöht haben. Damals lagen sie bei rund 1,28 Milliarden Euro. Die Kostensteigerung sei vor allem auf die Verschiebung der Maßnahmen von Wind onshore zu Wind offshore zurückzuführen, heißt es in dem Bericht, der pv magazine vorliegt. Allerdings sei die Analyse der Zahlen für das vierte Quartal noch nicht erfolgt.

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) hat auf die Berichte, die alljährlich zum Jahreswechsel zu den Kosten der erneuerbaren Energien und ihre vermeintlichen Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit reagiert. Er hat drei Grafiken veröffentlicht, die zeigen, inwiefern die Erneuerbaren-Anlagen mit Netzmanagement durch das bestehende System benachteiligt werden.

Bezüglich der Kosten für das Einspeisemanagement heißt es vom BEE, dass der bestehende Einspeisevorrang häufig durch die konventionellen Kraftwerke ausgehebelt werde. So lange die Flexibilität dieser Kraftwerke nicht ausgeweitet werde, steige die Menge des abgeregelten Erneuerbaren Stroms weiter. „Der gesetzlich verankerte Einspeisevorrang muss endlich durchgesetzt werden. Es ist nicht zu akzeptieren, dass die Betreiber konventioneller Kraftwerke die steuerbare Flexibilität ihrer Anlagen nicht ausreichend nutzen, um die Überlastung der Stromnetze zu reduzieren. Entsprechende Regelungen würden auch die Entschädigungen und somit die volkswirtschaftlichen Kosten begrenzen“, erklärte BEE-Präsidentin Simone Peter.

Doch die Redispatchkosten seien nur ein Problem. Insgesamt stoße das bestehende Strommarktdesign durch die steigende Einspeisung von Photovoltaik und Windkraft immer mehr an seine Grenzen. „Das Strommarktdesign lässt zu, dass konventionelle Kraftwerke Strommengen produzieren, welche zum Teil nicht benötigt werden. Die so herbeigeführten Leitungsengpässe führen dann teilweise zur Abregelung CO2-freier, erneuerbarer Energien, die dringend gebraucht werden“, so Peter weiter. Der BEE fordert seit längerem die Neugestaltung des Strommarktes auf Basis der erneuerbaren Energien, die mittlerweile zur tragenden Säule des Systems aufgestiegen seien. Die Ausgestaltung des Strommarktes muss sich auf die Erneuerbaren Energien ausrichten, welche bereits heute schon die Verantwortung übernommen haben und die in Zukunft dafür sorgen werden, dass die Klimaziele eingehalten und der Standort zukunftssicher aufgestellt wird“, erklärte Peter.

Die anhaltend hohe Einspeisung trotz starker Produktion der Erneuerbaren-Anlagen führt vermehrt zu negativen Strompreisen.

Grafik: AEE

Der BEE kritisierte, dass die konventionellen Kraftwerke mit großer Leistung weiterlaufen könnten, wenn sie in Zeiten hoher Einspeisung von erneuerbaren Energien gar nicht gebraucht würden. Dies führt wiederum auch vermehrt zu negativen Preisen an den Strombörsen. „Warum stellen konventionelle Kraftwerksbetreiber trotz stark negativer Strompreise über teilweise deutlich mehr als 12 Stunden am Stück dennoch Stromüberkapazitäten im zweistelligen Gigawatt-Bereich bereit, wenn doch klar ist, dass die Erneuerbaren Energien ausreichend stabil große Strommengenanteile liefern können“, so Peter. Es sei paradox, dass dann die Erneuerbaren dafür gebrandmarkt würden, dass Entschädigungen für Abregelungen anfielen.

Die Dauer der Versorgungsunterbrechungen hat sich trotz eines steigenden Anteils erneuerbarer Energien nicht erhöht.

Grafik: AEE

In puncto Versorgungssicherheit sieht der BEE angesichts steigender Einspeisung von Photovoltaik und Windkraft keine Gefahr. „Der Anteil der Versorgungsunterbrechungen ist in den letzten Jahren immer weiter gesunken“, sagte Peter mit Blick auf die Zahlen. „Wenn jetzt das Stromsystem weiter flexibilisiert wird, indem die Flexibilitätsoptionen der erneuerbaren Energien, von Speichern, Netzen und der Sektorkopplung weiter angereizt und genutzt werden, und auch die noch im Strommarkt vorhandenen fossilen Energien ihren Flexibilitätsbeitrag leisten, wird der Strommarkt mehr und mehr zukunftsfest.“ Dies müsse auch im europäischen Verbund erfolgen, in dem ebenfalls weiter steigende Anteile an erneuerbaren Energien zu erwarten sind. Nach Ansicht des BEE gilt es jetzt die Weichen zu stellen, um Bürgerenergie zu stärken und für eine Modernisierung hin zu einem überwiegend dezentralen und bürgernahen Energiesystem.