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BSW-Solar: Drohende Stromerzeugungslücke stellt Kohle- und Atomausstieg in Frage – pv magazine Deutschland

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Bereits in zwei Jahren könnte Deutschland Gefahr laufen, seinen Strombedarf nicht mehr ausreichend decken zu können, wie Marktforscher prognostizieren. Damit könnte eine Laufzeitverlängerung für fossile Kraftwerke möglich sein, weil nicht genug Ersatz über Photovoltaik, Windkraft und Speicher geschaffen wird, so die Befürchtung des Bundesverbands Solarwirtschaft.

Am heutigen Mittwoch trifft sich mal wieder das Klimakabinett in Berlin. Passend dazu hat EUPD Research eine aktualisierte Analyse zur drohenden Stromlücke in Deutschland veröffentlicht. Demnach drohe bereits in zwei Jahren eine erhebliche Unterdeckung des Strombedarfs, wenn Photovoltaik, Windkraft und Speicher nicht zeitnah deutlich schneller ausgebaut werden. Nach den Berechnungen der Bonner Analysten könne die Stromlücke wohl nur im ersten Jahr durch Stromimporte aus dem Ausland vollständig gedeckt werden.

„Bereits im Jahr 2023 wird der europäische Stromverbund die Stromlücke nicht mehr schließen können. Die Laufzeitverlängerung von Kohlekraftwerken wird dann unausweichlich“, erklärte Martin Ammon, Geschäftsführer von EUPD Research. Die Analysten prognostizieren, dass dann bereits 100 Milliarden Kilowattstunden und damit knapp ein Fünftel des zu erwartenden Strombedarf fehlen könnten. Der von EUPD Research simulierte Importbedarf an Strom aus dem europäischen Ausland steigt in der Spitze für das Jahr 2023 zeitweise bis auf 30 Gigawatt.

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) erneuerte vor dieser aktualisierten Analyse seine Forderungen an die Bundesregierung, die EEG-Novelle zu nutzen, um den Erneuerbaren-Ausbau zu beschleunigen. „Die Bundesregierung rennt sehenden Auges in eine Stromlücke. Trotz wiederholter und zahlreicher Warnungen aus der Wissenschaft ignoriert sie den wachsenden Strombedarf infolge einer zunehmenden Verstromung der Mobilität und Wärmeversorgung“, erklärte Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. „Deutliche Nachbesserungen am derzeit im Bundestag verhandelten Gesetzesentwurf zum EEG 2021 sind unverzichtbar. Sie sind die letzte Gelegenheit, um eine Laufzeitverlängerung von Kohle- oder Atommeilern zu vermeiden.“ Ein Gegensteuern erst nach der nächsten Bundestagswahl, die im Herbst 2021 ansteht, sei zu spät.

Der Verband fordert eine Anhebung des Zubaukorridors, wie es selbst vom Bundesrat gefordert wird, auf zehn Gigawatt neu installierte Photovoltaik-Leistung jährlich. Auch zahlreiche andere Marktbarrieren, die im aktuellen EEG sowie dem Entwurf für die Novelle 2021 enthalten sind, müssten beseitigt werden. Dies betrifft unter anderem die unzureichende Anschlussregelung für ab dem 1. Januar 2021 ausgeförderten Photovoltaik-Anlagen, aber auch die Belastung des solaren Eigenverbrauchs mit der EEG-Umlage oder die Pläne zu neuen Ausschreibungen für Photovoltaik-Dachanlagen oder die Senkung der Bagatellgrenze für den Einbau von Smart Metern. Es dürfte wenig vermittelbar sein, dass die Installation neuer Solardächer noch vor der Bundestagswahl deutlich ausgebremst werde, anstatt diese deutlich zu beschleunigen, was klimapolitisch dringend geboten wäre, so Körnig weiter.