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Digitalisierung und Kooperationen eröffnen Stadtwerken viele neue Geschäftsfelder – pv magazine Deutschland

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Eine neue Umfrage von BDEW und EY zeigt, dass viele Stadtwerke ihre Geschäftsmodelle erweitern wollen, etwa in Richtung Wohnungswirtschaft. Dabei messen sie vor allem Smart Metern hohe Bedeutung bei.

Die zunehmende Digitalisierung eröffnet den Stadtwerken in Deutschland nach eigener Einschätzung attraktive neue Geschäftsfelder. Das zeigt eine Befragung von 166 Stadtwerken durch den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und der Consulting-Gesellschaft EY. Hoch sind auch die Erwartungen an eine Zusammenarbeit mit Unternehmen anderer Branchen, etwa der Wohnungswirtschaft: Insgesamt 85 Prozent der Befragten sehen hier eine große Chance. Im Zentrum stehen dabei Geschäftsfelder wie Energielieferung, Energiedienstleistungen und Smart Metering.

„Die Energiewirtschaft hat bereits viele Überschneidungen mit anderen Branchen“, erklärt Metin Fidan, EY-Partner und Leiter Energiesektor für Deutschland, Österreich und die Schweiz. „Auf der Suche nach aussichtsreichen neuen Geschäftsmodellen wird sie künftig noch stärker über den eigenen Tellerrand schauen. Insbesondere die Wohnungswirtschaft bietet sich als Kooperationspartner an: Dezentrale und klimafreundliche Energielösungen werden immer wichtiger.“

Künftig ergeben sich nach Ansicht von Fidan sogar noch mehr Möglichkeiten: „Die Smart Meter werden als Datendrehscheibe zu zahlreichen neuen Anwendungen, Produkten und Geschäftsmodellen führen.“ So seien unter anderem Kombitarife denkbar, die Elektromobilität mit einbeziehen. Mietern könnte außerdem die genaue Abrechnung zum Monatsende angeboten werden. Dementsprechend besitzt die Digitalisierung für 81 Prozent der Stadtwerke in den kommenden zwei bis drei Jahren eine besonders hohe Bedeutung. 73 Prozent wollen sich besonders der Optimierung interner Prozesse widmen, 72 Prozent der Personalentwicklung. Unter den digitalen Technologien hat das Smart Metering für 81 Prozent der Energieversorger die größte Relevanz, dicht gefolgt von der Cybersecurity (75 Prozent).

„Unternehmen, die den digitalen Wandel nicht als Bedrohung sehen, sondern als Chance, neue Geschäftsfelder zu erschließen, werden wachsen“, heißt es in der Studie. „So ermöglichen neue Technologien wie Blockchain, Machine Learning und Cloud-basierte Anwendungen eine nie geahnte Zusammenarbeit von Energieversorgern untereinander, mit ihren Kunden und vor allem auch mit vormals ‚fachfremden’ Branchen.“

Der ideale Weg, Technologien und Innovationen gemeinsam zu kombinieren, seien Plattformmodelle. Als Plattformbetreiber könnten sich Energieversorger zum Dienstleister und Lösungspartner für Unternehmen, Städte, Kommunen und Verbraucher entwickeln. Plattformbetriebene Geschäftsmodelle ermöglichten ein exponentielles Wachstum durch Erleichterung des Zugangs und Innovation durch Nutzung von Netzwerkeffekten zwischen vielen unabhängigen Parteien.

„Die Stadtwerkestudie zeigt, dass die Versorger die Digitalisierung als strategisches Instrument nutzen, um den Wandel zu gestalten und neue Geschäftsfelder zu erschließen“, sagt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Die Studie verdeutliche auch, dass die Stadtwerke insbesondere Geschäftsfelder nah an ihrem Kerngeschäft erschließen: „Dezentrale Stromerzeugung, Smart Metering und Elektromobilität liegen bei den befragten Geschäftsführerinnen und Geschäftsführern ganz vorne. Hinzu kommen aber auch Telekommunikations-Dienstleistungen und Angebote in den Segmenten Smart Home und Smart Cities.“

Stephan Rothe

Geschäftsführer / CEO, EEHD Erneuerbare Energien Handel und Distribution GmbH

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