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Nachgefragt: Wie geht es mit der Finanzierung der PPA-Anlagen weiter? – pv magazine Deutschland

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Im Mai erörterte Lukas Stettner von der Umweltbank in einem pv magazine-Webinar, ob sich Photovoltaik-Unternehmen den PPA-Markt auch für kleinere Projekte erschließen können. Das traf auf großes Interesse. Wir haben nachgefragt, was seither geschehen ist.

Als im Mai das pv magazine-Webinar zur Finanzierung von förderfreien Photovoltaik-Anlagen stattfand, stand der Markt unter dem ersten Corona-Schock. Strompreise waren gesunken und damit die Preise, die man in Stromlieferverträgen (PPAs) erzielen konnte unter Druck, wie damals auch Referent Lukas Stettner, Teamleiter bei der Umweltbank, berichtete. Doch die Anzeichen mehren sich, dass es besser kommt als gedacht. „Mit den wieder höheren Marktwerten gibt es auch mehr PPA-Abschlüsse. Der wesentliche Treiber für den Markt ist wieder intakt“, sagt etwa Nicolai Herrmann, Partner beim Beratungsunternehmen Enervis.

Da das Webinar im Mai auf großes Interesse stieß und von den Teilnehmern mit am Besten von allen Webinaren bewertet wurde, haben wir bei Lukas Stettner nachgefragt, wie sich die Situation auf dem PPA-Markt seither entwickelt hat.

Derzeit ist die Diskussion im Zusammenhang mit der EEG-Novelle ein kleiner Dämpfer, da die Größe von Ausschreibungsanlagen von 10 auf 20 Megawatt angehoben werden könnte. Das bedeutet, dass es bei vielen dieser Anlagen bis zu dieser Größe einfacher werden könnte, sie über Ausschreibungen als über PPAs zu realisieren. Da größere Anlagen als Kombiprojekte realisiert werden können, verzögert sich auch bei diesen die Realisierung, wenn Entwickler noch abwarten, ob sie sich einen Ausschreibungszuschlag sichern können.

Trotzdem sieht auch die Umweltbank, dass sich die Preise  sich seit dem Frühjahr etwas erholt hätten und Projektentwickler „fleißig“ weiter entwickeln würden.  Dass der Markt läuft, zeigt auch der Vertragsabschluss zwischen dem Projektierer Anumar und Stattkraft für das 50 Megawatt-Solarkraftwerk „Schornhof“ im Juli, bei dem die Umweltbank die Finanzierung übernahm. Die Bank zeigt sich zuversichtlich, da sich andere größere Projekte sich bereits „konkret“ anbahnten, teilt sie mit.

Ein wesentlicher Punkt im pv magazine-Webinar war, dass Lukas Stettner das Umweltbank-Konzept erläutert hat, durch Standardisierung der Stromlieferverträge die Transaktionskosten zu senken. Da diese unabhängig von der Größe der Anlage finanziert werden müssen, sind sie die größte Hürde für die Wirtschaftlichkeit kleinerer PPA-Projekte. Im Webinar stellte er die Perspektive vor, dass damit schon solche in der Größenordnung 3 Megawatt möglich würden. „Ziel des PPA-Konzepts der Umweltbank ist es, bei allen Größenordnungen die Eigenkapitalquote auf ein vernünftiges Niveau zu senken“, erklärt Stettner.

Derzeit scheinen sich die förderfreien Projekte teilweise schon in diese Größenordnung zu bewegen. Es würden Projekte zwischen 5 und 100 Megawatt angefragt, sagt Lukas Stettner. Mit Blick auf die Standardisierung ist jedoch noch ein gutes Stück Weg zu gehen. Meistens kämen die Abnehmer mit eigenem Abnahmevertrag und dann werde verhandelt.

pv magazine Webinar

In diesem pv magazine-Webinar aus dem Mai 2020 erklärt und diskutiert Lukas Stettner von der Umweltbank, Initiativpartner dieses Webinars, zusammen mit Ralf Bernhard von Baywa re Rahmenbedingungen für PPA-Finanzierungen. Sie erörtern Erfahrungen, Stolpersteine und Tipps aus der Praxis.

Die Teilnehmer bewerteten dieses pv magazine Webinar mit 4,4 Punkten auf einer Bewertungsskala von 0 bis 5. Damit erreicht es einen Platz in der Spitzengruppr der Top 5.

Hier können Sie es nachsehen und die Präsentationen herunterladen.

Manchmal stehen in den Stromabnahmeverträgen auch immer noch Stolpersteine, die Lukas Stettner schon im Webinar angesprochen hat. Ein solcher sei zum Beispiel, wenn der Stromabnehmer den Stromliefervertrag nicht „pay-as-produced“ , sondern nach bestimmten Bändern „pay-as-nominated“ abschließen will. Das bedeutet, dass der Stromverkäufer für Ersatz sorgen muss, wenn gerade die Sonne nicht scheint.

Das Risiko, plötzlich teuren Strom einkaufen zu müssen, könne jedoch ein Energieunternehmen mit Hedging-Strategien besser abfedern als eine Projektgesellschaft für eine Photovoltaik-Anlage, so Lukas Stettner. Das liegt daran, dass Energieunternehmen solche Risiken besser bewerten können. Das senkt dann die Kosten, mit der das Risiko eingepreist wird.

Also, es gibt bisher noch keine Tendenz zu Standardisierung. „Es ist weiterhin jeder Vertrag individuell vereinbart“, sagt Stettner. Bisher hätten er und seine Kollegen nicht den Eindruck, dass Abnehmer an weitergehender Standardisierung Interesse haben. Die Umweltbank wünsche sich aber immer noch eine Standardisierung mit fairer Verteilung der Chancen und Risiken. „Interessierte Offtaker sollen uns gerne direkt ansprechen“, sagt er.

 

Poster-Download

Aufgabenverteilung, Chancen und Risiken der Beteiligten an einem Corporate PPA:

Klicken Sie auf die Grafik, um das Poster zum Ausdrucken herunterzuladen

In der gerade frisch erschienen Novemberausgabe des  pv magazine Deutschland finden sie einen ausführlichen Artikel zum derzeitigen Stand des PPA-Marktes (Nur kleine Corona-Delle).

In der Juniausgabe finden Sie weitergehende Erläuterungen und eine Diskussion darüber, was die Risiken für die Finanzierung solcher Projekte bedeutet und wie der Reststrom möglichst ökologisch bezogen werden kann (Der nächste Lernschub, pv magazine Juni 2020).