Der frühere Ifo-Chef Hans-Werner Sinn und zwei Co-Autoren haben in der Woche vor Ostern eine Studie vorgelegt, nach der Elektroautos das Klima um 11 bis 28 Prozent stärker belasten als Diesel-Pkw. Die Studie sorgte für einiges Aufsehen. Sie hat allerdings gravierende Mängel – welche, das erklärt Martin Wietschel vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung.

n-tv.de: Sind Elektroautos ein großer Schwindel?

Martin Wietschel: Nein, natürlich nicht. Die Ifo-Studie geht von Annahmen aus, die zu einer besonders ungünstigen Klimabilanz für Elektrofahrzeuge führen.

Zum Beispiel?

Für die Ifo-Studie wurden ein Tesla Model 3 und ein Mercedes C220 Diesel herangezogen. Die beiden Fahrzeuge sind an sich durchaus vergleichbar. Aber ein Tesla Model 3 ist kein repräsentatives Elektrofahrzeug. Die Batteriekapazität ist mit 75 Kilowattstunden sehr groß. Ein durchschnittliches Elektrofahrzeug, das 2018 in Deutschland verkauft wurde, hat eine Batteriekapazität von 30 kWh. Damit fällt auch die Klimabilanz ganz anders aus, denn die Batterieherstellung hat großen Einfluss auf die CO2-Emissionen.

Ist das schon das größte Problem der Ifo-Studie?

Das ist eines von zwei zentralen Problemen. Das zweite: Die Ifo-Studie nimmt an, dass die Treibhausgasemissionen aus der Stromerzeugung konstant bleiben. Alle relevanten Studien gehen aber davon aus, dass diese Emissionen in den nächsten Jahren weiter sinken werden. Wenn man das einbezieht, dann ändert sich die Klimabilanz noch einmal deutlich.

Rechnet die Ifo-Studie wenigstens mit nachvollziehbaren Verbrauchswerten?

Die Ifo-Studie rechnet mit Normverbräuchen. Nur weiß man heute, dass Realverbräuche um 35 bis 40 Prozent über Normverbräuchen liegen. Da Dieselfahrzeuge beim Fahren deutlich mehr CO2 emittieren als Elektrofahrzeuge, hat das ebenfalls enormen Einfluss auf die errechnete Klimabilanz.

Quelle: N-TV … weiterlesen