Ruhrgebietsstädte wollen raus aus der Kohle

Um fast zwanzig Prozent ist das Ergebnis der Steag gesunken. Beteiligte Kommunen wollen ihre Anteile am Konzern am liebsten verkaufen, aber müssen zuerst Millionen nachschießen. Nur woher soll das Geld kommen?

Anfang Februar präsentierte Steag-Chef Joachim Rumstadt in der fernen indischen Hauptstadt Neu-Delhi stolz eine mobile Photovoltaik-Anlage zur dezentralen Stromerzeugung für den ländlichen Raum auf dem Subkontinent. Die Service-Tochter der Steag beschäftigt dort schon rund 1500 Menschen und bietet etwa Lösungen wie die mobile Solar-Anlage in einem Container an, die mit Batterien bis zu 24 Stunden Strom am Tag liefert – ohne Anbindung ans Stromnetz und ganz ohne Kohlestrom. 

Die Kohle ist tatsächlich aber immer noch das Hauptgeschäft des Essener Energiekonzerns mit seinen insgesamt 6500 Mitarbeitern. Die Steag ist einer der größten heimischen Kohlestromerzeuger, der Konzern betreibt Steinkohlekraftwerke im Ruhrgebiet und im Saarland. Im Ausland, etwa in der Türkei, kommen weitere hinzu. Die Aussichten für die fossilen Meiler sind mit der Energiewende schon seit Jahren schlecht. Mit dem nun beschlossenen Kohleausstieg in Deutschland bis 2038 ist das Ende der Meiler in Sicht. Und es stellt sich die Frage, mit was macht die Steag zukünftig Geschäft in Deutschland? 

Die Zukunft sieht Steg-Chef Rumstadt allein im Ausland, mit Energiegeschäften in Lateinamerika und Südostasien. Bevor dort die Kassen klingeln, um das verlorene Geschäft mit der heimischen Kohleverstromung zu kompensieren, braucht der Konzern aber erst einmal Geld von seinen Eigentümern. Dabei würden viele der sechs Stadtwerke, die Steag im Jahr 2014 über ihre kommunale Beteiligungsgesellschaft KBSG vom Chemiekonzern Evonik gekauft hatten, lieber heute als morgen ihre Anteile am Unternehmen loswerden. 

Quelle: Wirtschafswoche … weiterlesen