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Projekt „Eule“: Solarpark tragen zur Erhöhung der Artenvielfalt bei – pv magazine Deutschland

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In der ersten Projektphase ging es um ein Auditsystem zur Ermittlung des ökologischen Mehrwerts von Photovoltaik-Freiflächenanlagen. In der zweiten Projektphase geht es nun um die Entwicklung eines deutschlandweiten Zertifizierungsstandards, um die Produktqualität erneuerbar produzierter Strommengen hinsichtlich ökologischer und sozialer Kriterien zu bewerten und bepreisen.

Der weitere Ausbau von Photovoltaik und Windkraft steht und fällt mit der Akzeptanz der erneuerbaren Technologien in der Bevölkerung. Besonders wichtig ist dafür eine intelligente und umsichtige Einbindung der Anlagen in die Natur und Landschaft. Vor diesem Hintergrund hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) die Regionalwerke GmbH & Co. KG mit dem Projekt „Eule“ beauftragt. Die Abkürzung steht für Evaluierungssystem für eine umweltfreundliche und landschaftsverträgliche Energiewende. Nach neun Monaten Laufzeit ist im Oktober 2020 die erste Projektphase abgeschlossen worden. Die Ergebnisse sind nun vorgestellt worden.

Zunächst ging es beim Projekt „Eule“, an dem auch die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, die Prof. Schaller Umweltconsult GmbH sowie die Erzeugergemeinschaft für Energie in Bayern eG beteiligt sind, um die Entwicklung eines Auditsystems zur Ermittlung eines ökologischen Mehrwerts für Photovoltaik-Freiflächenanlagen. Damit sollen die Auswirkungen der Erneuerbaren-Anlagen auf die Landschaft und Natur konkret bewertet werden können. Zugleich sei das System gedacht, um optimale Entwicklungskonzepte für Photovoltaik-Freiflächenanlagen sowie sinnvolle doppelte Flächennutzung zu ermitteln.

Das Auditsystem für Photovoltaik-Freiflächenanlagen dient dazu, den jeweiligen ökologischen Ist-Zustand zu bewerten und diesen anhand eines standortspezifischen Maßnahmenkatalogs gezielt zu verbessern. Jeder Maßnahme sei eine Punktebewertung zugeordnet, die dem Anlagenbetreiber gutgeschrieben wird. Entsprechend der erreichten Gesamtpunkteanzahl nach Eule wird der ökologische Mehrwert ersichtlich, der dem Anlagenbetreiber finanziell honoriert wird, wie es zum Projekt weiter hieß. Neben ökologischen Aspekten würden auch soziale Maßnahmen bewertet, beispielsweise öffentlichkeitswirksame Maßnahmen, wie Führungen und Informationsangebote für die Bevölkerung.

Die Photovoltaik-Anlagenbetreiber erhielten den „Eule“-Projektbeteiligten zufolge dafür einen Katalog an ökologischen Aufwertungsmaßnahmen, die sie auswählen und umsetzen konnten. Im Zuge des Projekts „Eule“ erfolgte schließlich eine Auditierung in regelmäßigen Abständen, wie die Maßnahmen realisiert worden seien und wie sich die Artenvielfalt in dem Solarpark entwickelte. „Wir konnten bereits während der Projektlaufzeit feststellen, dass mit Hilfe von Eule die notwendige Akzeptanz für den weiteren Ausbau der dezentralen Energiewende in der Bevölkerung erreicht wird“, erklärt Regionalwerke-Geschäftsführer Andreas Engl.

Dabei profitiere sowohl die Bevölkerung als auch die Anlagenbetreiber von dem „Eule“-Konzept. Die Menschen bekämen Einblicke in die Betriebsführung von Erneuerbaren-Anlagen sowie die Gewissheit, Natur und Landschaft werden trotz Energieerzeugung geschützt. Die Anlagenbetreiber könnten hingegen mit einer höheren Produktqualität in die Vermarktung gehen und Mehreinnahmen generieren. Dies sei gerade angesichts geringer Strommarkterlöse und aus dem EEG fallender Anlagen wichtig, so Engl weiter.

Die Projektpartner wollen „Eule“ nun als Zertifizierungsstandard etablieren. Damit könne dann die Produktqualität erneuerbar produzierter Strommengen hinsichtlich ökologischer und sozialer Kriterien bewertet und bepreist werden. Damit dies deutschlandweit gelinge, erfolge in der zweiten Projektphase eine Evaluation der bisherigen Ergebnisse für eine bundesweite Übertragbarkeit. Es werde zudem eine Umsetzungsstrategie erarbeitet, die mögliche Organisationsstrukturen sowie Vermarktungsmöglichkeiten aufzeigen und die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells überprüfen soll. Darüber hinaus wollen die Projektpartner von „Eule“ konkrete ökologische Entwicklungsziele und die dafür erforderlichen Aufwertungsmaßnahmen definieren.

Mit dem „Eule“-Zertifikat könnte der Anlagenbetreiber anschließend werben. Bei der Vermarktung des entsprechenden Qualitätsproduktes soll er einen Anspruch auf einen „Eule“-Cent erhalten, also einen Cent pro Kilowattstunde mehr für ihren Strom bekommen. „Gleichzeitig erhöht er die Akzeptanz für die PV-Freiflächenanlagen in der Bevölkerung und leistet einen wissenschaftlich ermittelten Mehrwert für die Artenvielfalt“, so Engl abschließend.