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pv magazine top business model für Energetica: Klimaneutral zum Gigawatt – pv magazine Deutschland

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Der Hersteller Energetica setzt für die Produktion seiner Photovoltaik-Module auf ein Nullemissionskonzept und ganz viel Nachhaltigkeit. Vor den Werkstoren befindet sich sogar ein eigener Bahnanschluss, mit dem die Waren angeliefert und abtransportiert werden. Dafür vergibt unsere Jury die Auszeichnung pv magazine top business model.

Wenn man aus dem Fenster der Fabrik schaut, erblickt man auf der einen Seite die sanften Hügel der Karawanken und auf der anderen lässt sich der langgezogene Wörthersee erahnen. Eingebettet in die malerische Landschaft baut Energetica in Klagenfurt eine Produktionsstätte für seine Solarmodule mit einem Gigawatt Jahreskapazität auf. Das Fabrikgebäude ist komplett aus Holz. Das ist nicht zuletzt den Vorbesitzern zu verdanken, denn bevor Energetica das Gelände 2018 kaufte, gehörte es einem großen Holzverarbeiter.

Der Hersteller setzt aber auch sonst konsequent auf Nachhaltigkeit, so sagt es Geschäftsführer Rene Battistutti. „Für uns ist das nicht nur ein Schlagwort, sondern das Leitmotiv für unser unternehmerisches Handeln.“ Das Unternehmen sei immer auf der Suche nach neuen Wegen, die CO2-Emissionen zu mindern. Mit den bisherigen Maßnahmen seien es bereits rund 1.100 Tonnen CO2, die jährlich eingespart werden. Unsere Jury zeichnet Energetica für das Gesamtkonzept mit dem Prädikat „pv magazine highlight top business model“ aus.

„Der Produktionsprozess vor Ort ist bereits völlig klimaneutral“, sagt Battistutti. Dazu bezieht Energetica jährlich etwa 400.000 Kilowattstunden Strom aus einem eigenen Wasser-Kleinkraftwerk sowie rund drei Millionen Kilowattstunden aus einer Photovoltaik-Anlage mit 2,7 Megawatt Leistung. Der Hersteller hat dafür ausschließlich seine eigenen Module auf dem Dach und an der Fassade seiner Produktionsgebäude installiert. Die beiden Kraftwerke bilden die Grundlage für das „Zero Emission Factory“-Konzept und decken etwa 80 Prozent des jährlichen Strombedarfs. „Nur in der Nacht kaufen wir noch Ökostrom beim Versorger zu“, sagt Battistutti. Mit der Investition in einen Batteriespeicher könnte dies bald auch überflüssig werden. „Dies ist eines unserer nächsten Ziele.“

highlights und spotlights

Preis für gute Ideen

In der November-Runde zeichnet pv magazine eine Einreichung als highlight und zwei Einreichungen als spotlight aus.

Das sagt die Jury:

Energetica – Produktion nachhaltig gestalten

Bei den sehr hohen Stückzahlen, mit denen Solarmodule in den nächsten Jahrzehnten verbaut werden müssen, spielt die Umwelt- und Klimaverträglichkeit in der Produktion eine immer wichtigere Rolle. Der Modulhersteller Energetica hat ein Gesamtkonzept vorgestellt, mit dem er den CO2-Fuß­abdruck möglichst gering halten will. Er nutzt Holz als Baustoff, wodurch CO2 gebunden wird; er versorgt sich direkt aus erneuerbaren Energien und setzt zum Versand stark auf das Eisenbahnnetz. Durch den Standort in Europa kann er so nachhaltig in den ganzen Kontinent liefern. Für das Nachhaltigkeitskonzept zeichnet ihn die Jury mit dem „pv magazine highlight top business model“ aus. Mehr auf der nächsten Seite.

Die Juroren
Volker Quaschning ist Professor für regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin. Hans Urban, Experte für Photovoltaik, Speichertechnik und E-Mobilität, berät Schletter, Maxsolar und Smart Power. Winfried Wahl leitet das Produktmanagement bei Longi Solar in Deutschland.

Der Preis
Mit den pv magazine highlights zeichnen wir nachhaltige Geschäftskonzepte (top business model) und innovative Produkte (top innovation) entlang der gesamten Wertschöpfungskette aus. Mit dem pv magazine spotlight wollen wir Produkten und Konzepten Aufmerksamkeit verschaffen, die aus Sicht der Juroren einen genaueren Blick lohnen, weil sie interessant erscheinen.

Mehr Infos, bisherige Preisträger und alles zur Bewerbung unter: www.pv-magazine.de/highlights
Einsendeschluss für die nächste Runde: 27. Januar 2021

Doch nicht nur bei der Stromversorgung spart Energetica viel CO2 ein, sondern auch beim Heizen. Es setzt auf eine nachhaltige Biomasseanlage mit 350 Kilowatt. Die Größe reiche aus, um die Heizenergie komplett zu decken, da zudem viel Wärme­rückgewinnung aus der Prozesswärme erfolge. In der Biomasse­anlage werden zudem alle Holzpaletten oder -verpackungen aus den Anlieferungen zur Wärmeerzeugung genutzt.

Energetica hört nicht bei Strom und Wärme mit der Nachhaltigkeit auf. Das Konzept zieht sich auch durch das Thema Verkehr. So besteht die gesamte Fahrzeugflotte aus Teslas, wie Battistutti erklärt. Und direkt vor den Werkstoren befindet sich ein eigener Anschluss an das österreichische Eisenbahnnetz. „Das ist der klimaneutralste Weg, unsere Module zu den Kunden zu bringen“, sagt Battistutti. Sie nehmen dabei einen Weg zum nächstgelegenen Frachtbahnhof unserer Distributoren und werden von dort lokal mit dem Lkw verteilt. „Hoffentlich bald mit CO2-freien Elektro-Lkw“, fügt er hinzu.

Nicht nur was aus der Produktion versendet wird, auch Lieferungen – rund 70 Prozent des Warenwertes der Bill of Material – kommen per Bahn. „Wir nehmen die Mehrkosten in Kauf, weil wir damit eine wesentlich bessere CO2-Bilanz haben als mit dem Versand per Flugzeug oder Schiff“, sagt Battistutti.

Die Nachhaltigkeit hört nicht an der eigenen Haustür auf. Für die Verpackung seiner Module hat sich Energetica noch eine patentierte Lösung einfallen lassen. Die Rahmen verfügen über ein spezielles Click-in-System. „Dadurch können wir die Module ohne Ecken aus Kunststoff oder Karton verpacken“, sagt er. „Während des Transports und auf der Baustelle sind sie vor Mikrorissen oder Schlägen geschützt.“ Die Folie, die um die Paletten gewickelt wird, sei zudem aus biologisch abbaubarem Kunststoff.

Bei den eingesetzten Komponenten wird ebenso darauf geachtet, möglichst nachhaltig zu sein. Die in den Modulen verbauten Rückseitenfolien seien komplett recyclebar und die eingekauften Alurahmen werden nicht mit Säure gebeizt. Der Einsatz von Giftstoffen sei in der Produktion tabu. „In allem, was wir tun, sehen wir einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz, gerade wenn man in Gigawatt-Dimensionen denkt“, sagt Battistutti.