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Siemens Energy und Toshiba steigen aus der Kohle aus – pv magazine Deutschland

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Der japanische Technologieriese und der deutsche Energiekonzern sind dem Beispiel von General Electric gefolgt und haben versprochen, keine neuen Aufträge für Kohlekraftwerke mehr anzunehmen. Bestehende Verpflichtungen will Siemens Energy allerding noch erfüllen, dazu die Lieferung von Dampfturbinen nach Indonesien für ein neues Kohlekraftwerk mit zwei Gigawatt Leistung.

Zwei große Namen in der Welt der multinationalen Technologiekonzerne haben angekündigt, dem Geschäft mit der Kohle zukünftig die kalte Schulter zu bieten. Siemens Energy und Toshiba haben öffentlich zugesagt, ihr Kohlekraftwerksgeschäft aufzugeben, und ihre neue Strategie am Rande ihrer Quartalsberichte, beziehungsweise ihrer Jahrespressekonferenz bekannt gegeben. 

Nachdem Japans neu ernannter Premierminister Yoshihide Suga versprochen hatte, das Land bis 2050 auf den Weg der Klimaneutralität zu bringen, unterstützte eine der größten Marken des Landes, Toshiba, die Regierung mit einer „ökologischen Zukunftsvision 2050“. Der „Toshiba Next Plan“ ist Teil der Strategie und sieht vor, dass das Unternehmen keine Aufträge für Dampfturbinen und anderes Equipment für Kohlekraftwerke mehr annimmt. In diesem Sinne kündigte Toshiba auch Pläne an, seine Investitionen in erneuerbare Energien im nächsten Jahrzehnt um den Faktor drei zu erhöhen. Dadurch will das Unternehmen seine Treibhausgasemissionen bis 2030 im Vergleich zu 2019 um die Hälfte reduzieren. 

Große Investitionen

Die Investitionen des Technologiekonzerns in saubere Energie erreichten im Fiskaljahr 2018-19 190 Milliarden Yen (1,53 Milliarden Euro), und bis zum Fiskaljahr 2024-25 wird diese Zahl wird voraussichtlich auf 350 Milliarden Yen ansteigen. Für 2029-30 wird ein gewaltiger Anstieg auf 650 Milliarden Yen prognostiziert. Toshiba gibt an, dass der Plan eine Diversifizierung der Investitionen in Solar- und Windenergie, Infrastruktur, virtuelle Kraftwerke (VPPs) und Wasserstoffsysteme vorsieht. Erst kürzlich ging Toshiba eine Kooperation mit Next Kraftwerke zum Ausbau von virtuellen Kraftwerken in Japan ein.

Der Elektronikgigant bekundete auch Ambitionen, Marktführer in Japans Solaranlagengeschäft zu werden und die weltweit effizienteste Solartechnologie unter Verwendung von Perowskit- und Dünnschichttechnologien zu entwickeln. Gleichzeitig, so fügte Toshiba hinzu, beabsichtige das Unternehmen nicht, seine angeblich marktführende Position bei der Schnellladung von Batterien und der Power-to-Gas-Wasserstofftechnologie aufzugeben.

Zwar werde der Konzern die Herstellung von Dampfturbinen nicht ganz aufgeben, doch werde es seine Produkte künftig an geothermische Kraftwerke liefern, sagte Toshiba. Das Unternehmen hat nach Schätzungen des japanischen Medienunternehmens Nikkei Asia 11 Prozent des weltweiten fossil getriebenen Kraftwerke außerhalb Chinas beliefert und wird voraussichtlich zehn ausstehende Verträge zur Fertigstellung von Kohlekraftwerken in seinem Heimatland sowie in Vietnam „und anderen Ländern“ erfüllen.

Siemens Energy

Siemens Energy hat angekündigt, sich nicht mehr an Ausschreibungen für Kraftwerke zu beteiligen, die ausschließlich mit Kohle betrieben werden sollen. Das Unternehmen wird jedoch bestehende Verpflichtungen einhalten, darunter die Erweiterung der Kohlekraftwerksflotte des indonesischen Energiekonzerns PT Indo Raya Tenaga. Siemens wurde mit der Lieferung seiner SST-6000-Dampfturbinen für die geplanten Kraftwerksblöcke JAWA 9 und 10 beauftragt, die eine kumulative Erzeugungskapazität von 2 Gigawatt haben, rund 3 Milliarden US-Dollar kosten und 2023 beziehungsweise 2024 ans Netz gehen sollen. Das Projekt ist vorübergehend ins Stocken geraten und steht vor Herausforderungen aufgrund von Umweltbedenken, die im vergangenen Jahr von koreanischen und indonesischen Umweltschützern vor Gericht gebracht wurden. Koreanische Umweltgruppen beteiligten sich, nachdem mehrere koreanische Banken, darunter die Koreanische Entwicklungsbank, die Finanzierung des Projekts zugesagt hatten. 

Die Beteiligung von Siemens an Projekten für fossile Brennstoffe, vor allem an der Adani-Kohlemine in Australien, hat das Unternehmen fest in das Fadenkreuz der deutschen Sektion der Klimaaktivistengruppe „Fridays for Future“ gerückt. Das Engagement am Adaniprojekt gipfelte Anfang des Jahres darin, dass Siemens-Chef Joe Kaeser der Fridays for Future Aktivistin, Luisa Neubauer, ein Aufsichtsratsmandat bei Siemens Energy anbot. Die 23-Jährige lehnte das Angebot ab und riet dem Vorstandsvorsitzenden, stattdessen einen Wissenschaftler zu berufen. 

Seither ist Siemens Energy im Bereich der fossilen Brennstoffe mehrfach in die Kritik geraten. Das Unternehmen, das aus dem Zusammenschluss der Siemens-Divisionen Gas and Power und Siemens Gamesa Renewable Energy hervorgegangen ist, musste einen Rückgang des Auftragsbestands von 9 Euro Milliarden um 24 Prozent auf 7 Milliarden Euro und einen Umsatzrückgang von 8 Prozent hinnehmen, vor allem wegen Covid-bedingter Projektverzögerungen im Gas- und Stromgeschäft. Im Vergleich dazu musste der Bereich erneuerbare Energien im Zuge der Covid-19-Krise nur 3 Prozent der Einnahmen einbüßen.

Der Ausschluss von Kohle aus den Portfolios der beiden Konzerne bedeutet nicht, dass sich Siemens und Toshiba zu einer sofortigen vollständigen Dekarbonisierung verpflichten, da die Unternehmen angeben, dass mit Erdgas befeuerte Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen eine wichtige Übergangstechnologie bei der Energiewende darstellen werden. 

Umweltbelange

Erdgas besteht in erster Linie aus Methan, einem enorm potenten Treibhausgas, von dem gesagt wird, dass es Wärme 90 Mal wirksamer einfängt als Kohlendioxid. Der Artikel „Preindustrial CH4 indicates great anthropogenic fossil CH4 emissions“, der im Februar in dem akademischen Fachjournal Nature erschien, geht davon aus, dass die Verbrennung fossiler Brennstoffe 25 bis 40 Prozent der Methanemissionen in der Atmosphäre ausmacht. Die Energy Information Agency der US-Regierung bestätigt dabei, dass die Energiegewinnung durch Erdgas etwa 29 Prozent der Methanvorkommen in der Atmosphäre ausmachen.

Auch General Electric (GE) hat im September zugesagt, sich aus dem Geschäft mit neu gebauten Kohlekraftwerken zurückzuziehen. Das Unternehmen sagte, seine GE-Dampfkraftwerkssparte werde auch weiterhin mit bestehenden Kunden zusammenarbeiten, um vertragliche Verpflichtungen zu erfüllen. Das Unternehmen erklärte, es werde einen Ausstieg aus dem Kohlekraftwerksgeschäft anstreben, „was Veräußerungen, Standortschließungen, Auswirkungen auf die Arbeitsplätze und angemessene Erwägungen für börsennotierte Tochtergesellschaften beinhalten kann“. 

Während das Unternehmen erklärte, dass es seine Investitionen in sein Geschäft mit erneuerbaren Energien fortsetzen werde, bekundete GE auch seine Bereitschaft, seine Aktivitäten in der Atomindustrie fortzusetzen, hauptsächlich durch die weitere Lieferung und Wartung von Dampfturbinen für diesen Markt.