Das Solarheizwerk mit Parabolrinnen-Kollektoren in Baotou besteht aus zwei Feldern mit insgesamt 65 MW thermischer Leistung. Ein Teilfeld mit 22.000 m2 Kollektorfläche befindet auf dem Dach einer XuChen-Fabrikhalle neben dem Firmensitz. Das zweite Teilfeld mit 71.000 m2 Kollektorfläche ist als Freiflächenanlage ausgeführt. Dieses Solarheizwerk ist nach der dänischen Silkeborg-Anlage (110 MWth) das zweitgrößte der Welt, das größte jedoch mit konzentrierenden Kollektoren.

Das 65-MW-Solarheizwerk ist Teil der Umweltpolitik der chinesischen Regierung zur Verbesserung der Luftqualität in den nördlichen Provinzen Chinas und zum Ausstieg aus der Kohle. Diese Politik ist Teil eines Programms zur Verbesserung der sozialen Lebensbedingungen und zur Bereitstellung von erschwinglichem Wohnraum, das die chinesische Regierung unter dem Slogan „livelihood” durchführt.

Yu Wang, Geschäftsführer von XuChen berichtet, dass die Installation der Solaranlage in Baotou das erste „livelihood”-Projekt ist für eine solare Raumheizung in der Region ist. „Die Regierung hat die Kapitalkosten in Höhe von 0,55 Mrd. Renminbi (69 Mio. Euro) für das Solarfeld einschließlich des Speichers und des neu errichteten Wärmenetzes vollständig übernommen”, sagt Wang in einem Interview mit solarthermalworld.org. Diese 100% ige öffentliche Subvention war der Grund für die Investition von XuCheng in die Fabrik zur Herstellung von Parabolrinnen-Kollektoren im Industriepark von Baotou. XuChen startete im Frühjahr 2016 und investierte 1,05 Mrd. Renminbi (132 Mio. Euro) in die Errichtung des Hauptsitzes sowie der 50.000 m2 großen Fabrik.

Laut Wang benötigt man im zentralen Kontrollraum vom Solarheizwerk mit Parabolrinnen-Kollektoren in Baotou nur eine Person. Ein anderer Mitarbeiter ist für den Betrieb der Drohne verantwortlich, die die Spiegelleistung überwacht. Die Infrarotsensoren der Drohne können Punkte thermischen Ungleichgewichts über das Feld hinweg rechtzeitig erkennen, sodass man sofort beseitigen kann. Die Spiegel hat man bisher von Hand gereinigt. Aber XuChen hat bereits begonnen, an einem automatisierten System zu arbeiten.

Solarwärme wird per LKW zu nahe gelegenen Wärmeverbrauchern transportiert

Wang sagt, er habe einen Anstieg des Solarwärmebedarfs in den nördlichen Provinzen Chinas beobachtet. Er fügt hinzu, dass überschüssige Wärme, die im Sommer erzeugt wird, wenn keines der an das solare Fernwärmenetz angeschlossenen Gebäude eine Raumheizung benötigt, per LKW zu nahe gelegenen Verbrauchern transportiert wird, darunter Hotels, Schwimmbäder und Spas. Da Chinas Politik für grüne Wärme den Ausstieg von Kohlekesseln erfordert und Wärmepumpen hohe Stromkosten verursachen, ist der Kauf von Solarwärme aus dem SDH-Werk von Baobou eine wirtschaftlich sinnvolle Option für diejenigen, die das ganze Jahr über große Wärmemengen benötigen.

Ein weiteres großes solares Fernwärmesystem baut XuChen derzeit in Han Dan im Norden Chinas. Laut Wang wird diese Anlage einen neuen Allwetter-Vier-Jahreszeiten-Öko-Freizeitpark mit Wärme versorgen. Aufgrund der Ökowärmepolitik der Regierung wäre der Bau des Freizeitparks ohne eine saubere Wärmeenergiequelle, in diesem Fall von der solaren Fernwärme, nicht möglich gewesen. „Unsere Investition wird die Entwicklung einer neuen Urbanisierung und des modernen Tourismus unterstützen und die Dienstleistungsbranche in Han Dan City unterstützen“, sagt Wang.

Diesen Bericht über das weltweit größte Solarheizwerk mit Parabolrinnen-Kollektoren hat Bärbel Epp auf dem englischsprachigen Informationsportal www.solarthermalworld.org veröffentlicht. Dort sind auch weitere technische und wirtschaftliche Daten des Solarheizwerkes zu finden.

2.10.2020 | Quelle: www.solarthermalworld.org | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH