Mikrokredite für erneuerbare Energien gelten als wichtiges Mittel, um den Ausbau einer modernen Energieversorgung in Entwicklungsländern voranzutreiben. Die Ingenieurin Natalia Realpe Carrillo hat mit ihrem Start-up Hedera Sustainable Solutions GmbH einen digitalen Werkzeugkasten entwickelt, mit dem Mikrofinanzinstitute die Nachhaltigkeitswirkungen ihrer Investitionen in saubere Energie besser nachvollziehen können. Als Klaus Töpfer Sustainability Fellow arbeitet sie ab dem 1. November am IASS daran, dieses Angebot zu verbessern und zu erweitern.

Mikrokredite helfen bei der Armutsbekämpfung. Bislang konnten Kreditgeber aber häufig nur Vermutungen über die Nachhaltigkeit ihrer Investitionen anstellen. Denn die oft noch analog geführten Datenerhebungen und -auswertungen, die hierzu nötig wären, sind teuer – zu teuer für kleine Mikrofinanzinstitute. Viel günstiger ist es, wenn diese Banken ihre Daten selbst erheben. Dabei hilft Hedera. „Die Infrastruktur ist da, um mit digitalen Fragebögen selber Daten zu sammeln. Doch schrecken die allermeisten lokalen Banken davor zurück. Das liegt zum einen an der mangelnden Digitalisierung in Entwicklungsländern, zum anderen an unzureichenden technischen Kenntnissen“, erklärt Realpe. Die Produkte von Hedera helfen Mikrofinanzinstitutionen, die Wirkungen ihrer Kredite nachzuvollziehen. Sie sind auf die Bedürfnisse der Nutzer abgestimmt und leicht zu bedienen.

Viel Erfahrung mit Mikrokrediten

Natalia Realpe Carrillo ist in Kolumbien aufgewachsen und sie hat ihr Wirtschaftsingenieurstudium an der Universidad de Los Andes in Bogotá abgeschlossen. 2007 zog sie nach Berlin, um an der Technischen Universität zunächst einen Masterstudiengang zu absolvieren und anschließend über den Beitrag des Mikrofinanzsektors zu einem verbesserten Energiezugang zu promovieren. Fast zehn Jahre lang arbeitete sie als Projektmanagerin für ein Unternehmen, das die Verbreitung von preisgünstigen und klimafreundlichen Energielösungen in Entwicklungsländern fördert. 2018 gründete sie das Start-up Hedera mit, das ein Exist-Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums erhielt.

Bislang bietet Hedera vor allem Unterstützung für Mikrokredite für erneuerbare Energien an. Zu den Kunden gehört der Kapitalentwicklungsfonds der Vereinten Nationen. Er misst mit dem digitalen Werkzeugkasten die Wirkung eines Förderprogramms für Energielieferanten in Ugand. Daneben bietet Hedera ergänzende Produkte an. So können Akteure im virtuellen Netzwerk Kontakte knüpfen, Informationen austauschen, Projekte und Konferenzen ankündigen oder ihre Nachhaltigkeit bewerben. Eine Lernplattform schult Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an praktischen Fällen.

„Transformative Geisteshaltungen fördern“

Das nächste Ziel des Start-ups ist es, den digitalen Werkzeugkasten zu erweitern: Künftig sollen Mikrofinanzinstitute auch ihre Investitionen in die Wasserversorgung, zum Beispiel in solarbetriebene Wasserpumpen, nachverfolgen können. Die Verbindungen zwischen Energie-, Wasser- und Ernährungssicherheit stehen ebenfalls auf der Agenda.

Trotz pandemiebedingter Kontaktbeschränkungen freut sich Natalia Realpe Carrillo auf einen regen Austausch am IASS: „Ich denke, dass das Institut mit seinem transformativen Ansatz für meine Arbeit ein passender Ort ist. Denn mir geht es auch darum, nicht nur Wissen zu generieren, sondern transformative Geisteshaltungen zu fördern und Menschen zu ermutigen, ihre Gesellschaft zu verändern.“ Am IASS Potsdam will sie vor allem mit Forschenden aus den Bereichen internationale Energiewende und nachhaltige Digitalisierung zusammenarbeiten.

31.10.2020 | Quelle: IASS Potsdam
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