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Windkraft hinkt Ausbauzielen hinterher – am 7. November 2020 um 18:03

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Nicole Weinhold

Trendwende? Der Umfang der neu genehmigten Windenergieleistung habe in den ersten neun Monaten dieses Jahres erheblich zugelegt, wie die Fachagentur Windenergie an Land (FA Wind) jetzt bekannt gegeben hat: Demnach wurden 482 Windturbinen mit 2.027 Megawatt (MW) Leistung bundesweit genehmigt – mehr als im gesamten Jahr 2019. Aber was ist schon eine erhebliche Steigerung gegenüber einem desaströs zusammengebrochenen Markt 2019? Die Antwort ist einfach: Nicht annähernd genug, um die Ausbau- und Klimaziele zu schaffen.

Bemerkenswert sei laut Jürgen Quentin von der Fachagentur die stark steigende Generatorleistung: Zwei Drittel der 2020 bislang genehmigten Windturbinen weisen demnach mehr als vier MW Leistung auf; ein knappes Fünftel sogar über fünf MW. Standorte sind immer schwieriger zu bekommen, Platz wird offensichtlich nicht verschenkt.

Flächen für die Windkraft

In dem Zusammenhang sei auf aktuelle Beratung des EEG-Gesetzentwurfs im Bunderats verwiesen. Die im Regierungsentwurf enthaltenen Berichtspflichten im Rahmen des Kooperationsausschusses sollen laut der Ausschussempfehlung abgespeckt werden. Statt der Verfügbarkeit von Flächenausweisungen sollen nur mehr die installierte Leistung und die Anzahl der Genehmigungen aufgelistet werden. „Wir brauchen eine umfassende Dokumentation der Flächenausweisungen und vor allem der Perspektiven, um den zukünftigen Ausbau der Windenergie zu gestalten”, erklärt dazu Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie. Die Abstimmungen zwischen Bund und Ländern seien wichtig, weil der Bund die deutschen Klimaziele gegenüber der EU verantworten muss, die Länder aber für die Flächenbereitstellung und Genehmigungen verantwortlich sind. “Hier braucht es also eine engmaschige Kommunikation. Wir appellieren an den Bundesrat bei dem Entwurf des Bundeskabinetts zu bleiben und die Energiewende als ganzheitliches Projekt voranzutreiben. Nur mit einem klaren Blick auf die Flächen, gesteigerten Ausbauzielen und vereinfachten Genehmigungen können wir die zukünftige CO2-freie Energiewelt zügig vorantreiben“, so Hermann Albers.

70 Prozent weniger als in den fünf Jahren davor

Auch die Inbetriebnahmezahlen stiegen bis Ende September deutlich gegenüber 2019. Gleichwohl will die FA Wind keine Entwarnung geben. Der diesjährige Herbst zähle zu den schwächsten der letzten 20 Jahre, betont die Agentur. 269 Anlagen mit 878 MW Gesamtleistung gingen in neun Monaten ans Netz. Damit liege die installierte Neuanlagenleistung 70 Prozent über dem Herbst 2019 – aber auch fast 70 Prozent unterhalb des Durchschnitts nach jeweils drei Quartalen der davorliegenden fünf Jahre.

Neue Turbinen in NRW, Brandenburg und Niedersachsen

Wo wurden die neuen Anlagen installiert? Windturbinen wurden in allen Flächenländern in Betrieb genommen, so FA Wind; die meisten davon in Nordrhein-Westfalen (45 WEA), gefolgt von Brandenburg (41 WEA) und Niedersachsen (32 WEA). Die Repowering-Quote liege bislang bei 27 Prozent, der höchste Wert der letzten sechs Jahre. Auch wieder ein Zeichen für schwindende Flächenangebote.

“Ende Oktober erreichte die neu in Betrieb genommene Windturbinenleistung 1.000 MW und könnte bis Jahresende noch auf rund 1.500 MW anwachsen”, erklärt Jürgen Quentin. Stillgelegt wurden in den ersten neun Monaten 117 Windturbinen mit 141 MW Leistung – 50 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2019. Trotzdem zeige sich weiterhin (noch) kein Trend zu stark steigenden Rückbauten.

Fest steht, der Ausbau muss beschleunigt werden, will man auch nur annähernd glaubwürdig bleiben innerhalb Europas. Die EEG-Novelle böte Gelegenheit, um die gebremsten Kurs entgegenzuwirken. Der Wirtschafts- und der Umweltausschuss des Bundesrats fordern in ihrer Ausschussempfehlung zur EEG-Novelle mehr Ambitionen des Bundes. “Die dabei genannten höheren Ausbauziele sind der richtige Ansatz”, so Hermann Albers. “Im Gegensatz zur Bundesregierung berechnet der Bundesrat auch den steigenden Bedarf an Grünem Strom durch Wasserstoff, E-Mobilität und Industrie mit ein und setzt realistische Ziele für die benötigten Strommengen bis 2030. Wir appellieren an den Bundestag diese Empfehlungen aufzugreifen.“

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