Die Gewerkschafterin im Räderwerk der Atommafia – Hans-Josef Fell – Botschafter für 100% Erneuerbare Energien

Und wieder dominiert in Deutschland der Lobbyismus der Atomwirtschaft

Gerade wurde ein neues Buch veröffentlicht:
Die Gewerkschafterin im Räderwerk der Atommafia von Caroline Michelle-Aguirre, aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt von Eva Stegen.
Das Buch ist auch als Film erhältlich.

Die Badische Zeitung berichtet über die Filmvorführung am 3. Dezember 2024:
„Es geht um Macht- und Geldgier in der Atomindustrie, vor allem aber um den Umgang mit sexualisierter Gewalt und die Mechanismen der Opfer-Täter-Umkehr. In Paris war Maureen Kearney als Gewerkschaftschefin für 50.000 Mitarbeitende des französischen Atomkonzerns Areva verantwortlich. Als ihr Geheiminformationen zugespielt werden, die darauf hinweisen, dass der neue Areva-Chef Expertenwissen nach China verkaufen will, wird sie aktiv. Sie will alle durch den China-Deal gefährdeten Arbeitsplätze bei Areva retten. Das bringt sie in einen Strudel aus Einschüchterungsversuchen – bis hin zu jenem Dezembertag im Jahr 2012, als ihre Putzfrau sie im Keller ihres Hauses gefesselt und sexuell misshandelt vorfindet.“

Im Buch wird diese Geschichte ausführlich beschrieben. Der Fall von Maureen Kearney zeigt, dass die Atomwirtschaft nicht nur mit Lobbyismus arbeitet, sondern auch mit Korruption, Gewalt und krimineller Energie.

Der Lobbyismus der Atomwirtschaft hat Deutschland und die EU wieder fest im Griff

In den Koalitionsverhandlungen arbeitet die Union intensiv an einer Rückkehr zur Atomwirtschaft. Sie will kleine und modulare Reaktoren fördern, die Kernfusion vorantreiben und sogar bereits abgeschaltete Reaktoren reaktivieren.

Angeblich sei die Atomenergie sauber, emissionsfrei, wirtschaftlich und unverzichtbar, da sie als Grundlast für erneuerbare Energien benötigt werde. Nichts davon ist wahr – dennoch geistern diese Behauptungen in verschiedensten Varianten durch die sozialen Medien, die Springer-Presse und haben es nun sogar zurück an die vorderste Front der Politik in Berlin geschafft.

Trotz dieser umfassenden Desinformation gibt es weiterhin Widerstand gegen die von CSU und Union geforderte Atomrenaissance – selbst in den eigenen Reihen. Der Bezirkstag von Niederbayern hat kürzlich in Straubing mit 16 zu 7 Stimmen die Staatsregierung aufgefordert, „keine Stromlieferungen aus tschechischen Atomkraftwerken oder Beteiligungen an der Atomstromproduktion in Tschechien anzustreben“. Den Antrag hatte die ÖDP eingebracht. Fast die gesamte CSU-Fraktion unterstützte den Vorschlag, ebenso die Grünen, die SPD und Teile der Freien Wähler. Nur die AfD stimmte geschlossen dagegen.

Ungelöste Probleme der Atomkraft

Dabei sind die Probleme der Atomenergie überhaupt nicht gelöst. Ein Endlager für den atomaren Müll verzögert sich immer mehr und bekommt Deutschland vielleicht erst in hundert Jahren. Solange müssen dann die atomaren Zwischenlager herhalten – obwohl sie dafür gar nicht ausgelegt sind, wie Heinz Wraneschitz in den VDI Nachrichten analysierte.

Dabei werden die Zwischenlager in Deutschland immer voller, selbst nach der Abschaltung der letzten Atomkraftwerke. Ein Castor-Transport mit radioaktivem Müll liefert gerade Atommüll aus Großbritannien nach Niederbayern. Sieben Atommüllbehälter werden im Zwischenlager Niederaichbach im Landkreis Landshut eingelagert – und das auf unbestimmte Zeit, wie der BR berichtet.

Doch wie mit diesem Atommüll umgegangen werden soll oder wie ein Endlager schneller verwirklicht werden könnte – dazu findet sich in den bisherigen Koalitionsverhandlungen nichts. Die hochgefährlichen radioaktiven Müllberge scheinen die Union offensichtlich nicht zu interessieren. Stattdessen behauptet sie lieber, die Atomenergie erlebe in der EU einen Aufschwung.

In Europa werden mehr Atomkraftwerke abgebaut als neue zugebaut

Dabei stimmt auch das nicht. In den letzten Jahren hat die Anzahl der Atomkraftwerke in der Dabei stimmt auch das nicht: In den letzten Jahren ist die Zahl der Atomkraftwerke in der EU kontinuierlich gesunken. Die wenigen Neubauten konnten die Stilllegungen bei weitem nicht ausgleichen – und das liegt nicht nur am deutschen Atomausstieg. Auch andere EU-Länder nehmen regelmäßig Reaktoren vom Netz, weil sie schlicht zu alt und damit zu unsicher geworden sind.

Seit dem Unfall in Fukushima wurden in der EU, der Schweiz und Großbritannien 37 Atomkraftwerke abgeschaltet. Bis 2030 wird diese Zahl auf 52 steigen. Im gleichen Zeitraum (2011–2030), also innerhalb von 20 Jahren, werden maximal sechs neue Atomkraftwerke ans Netz gehen. Dazu zählen die mit Problemen kämpfenden EPR-Reaktoren Olkiluoto 3 (Finnland) und Flamanville 3 (Frankreich), der Bauzeit-Methusalem Mochovce 3 (Slowakei, Bauzeit 1987–2023) sowie die noch im Bau befindlichen britischen AKW-Blöcke Hinkley Point C1 und C2 sowie das kleine AKW Mochovce 4 (Slowakei, Baubeginn ebenfalls 1987).

Wie groß die Probleme der neuen französischen EPR-Reaktoren sind, zeigt Flammanville 3. Seit Inbetriebnahme im Dezember 2024 hat der Reaktor mehr Energie verbraucht, als geliefert.

Von einer Atomkraft-Renaissance, wie sie von der Union behauptet wird, ist also weit und breit nichts zu sehen.

Dabei ist auch der Wunsch der Union, die erste Kernfusions-Stromerzeugung nach Deutschland zu bringen, ein Luftschloss – genauso wie schon seit über 70 Jahren. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat dazu gerade eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass eine kommerzielle Stromerzeugung mit Kernfusion nicht absehbar ist.

Statt endlich wieder Windkraft im Süden zu bauen, setzt die Union auf Atomenergie und finanziert damit Putins Kriegskasse

Was schnell gehen könnte, wäre der Ausbau der Windkraft auch im Süden Deutschlands, wenn es endlich den Willen der CSU gäbe und die 10-H-Regelung sowie andere Genehmigungshürden abgeschafft würden. Das würde auch teure neue Stromleitungen zum Transport von Windstrom aus dem Norden in den Süden überflüssig machen, wodurch die Netzgebühren im Zaum gehalten werden könnten. Doch einen gezielten, starken Ausbau der Windkraft im Süden will die Union weiterhin nicht und setzt stattdessen lieber auf teure, schmutzige und unsichere Atomenergie.

Die Füllung der russischen Kriegskassen durch den Brennelementverkauf über Rosatom würde eine Atomrenaissance nach den Zielen der Union weiter vorantreiben – statt diese endlich konsequent zu beenden.

Gerade im undemokratischen Russland unter Putin sind Atomkraftgegner schnell im Gefängnis und Gewalt ausgesetzt. Doch dass dies nicht nur in Russland, sondern auch in der EU der Fall ist, ist erschreckend und wird im lesenswerten Buch „Die Gewerkschafterin im Räderwerk der Atommafia“ klar belegt.

Quelle: Weiterlesen

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