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720 oder 500 Watt? Warum bei Solarmodulen die Leistung pro Quadratmeter zählt

Welches Modul bringt mehr Leistung aufs Dach: eines mit 720 Watt oder eines mit 500 Watt? Die Antwort überrascht viele – auf derselben Dachfläche liefert das 500-Watt-Modul mehr. Zwei aktuelle Module von Eurener zeigen das: Das NEXA mit 720 Wp leistet 232 W pro Quadratmeter, das ULTRA mit 500 Wp kommt auf 245 W/m². Entscheidend ist also nicht die Wattzahl pro Modul, sondern die Leistung pro Quadratmeter. Ein Blick in unser Datenblatt-Archiv zeigt, wie sich Modulformate, Zelltechnologien und Wirkungsgrade in den letzten 20 Jahren entwickelt haben.

Watt pro Modul oder Watt pro Quadratmeter?

Die Wattzahl auf dem Datenblatt sagt zunächst nur, wie viel ein einzelnes Modul leistet. Wie viel Strom ein Dach am Ende liefert, hängt aber davon ab, wie viel Leistung auf die verfügbare Fläche passt. Entscheidend ist deshalb die Leistungsdichte in W/m² – und die entspricht direkt dem Wirkungsgrad: Ein Modul mit 200 W/m² hat 20 % Wirkungsgrad.

Ein größeres Modul mit mehr Watt kann also durchaus weniger effizient sein als ein kleineres. Es bringt dann mehr Gewicht und Glas aufs Dach, aber nicht mehr Leistung auf dieselbe Fläche.

Die Zeitreise: 20 Jahre Datenblätter aus unserem Archiv

Wir haben Datenblätter aus fast zwei Jahrzehnten ausgewertet und für jedes Modul aus Leistung und Abmessungen die Leistung pro Quadratmeter berechnet. Eine Auswahl:

JahrModulZelltechnikLeistungW/m²
ca. 2006BP Solar 4165Mono165 Wp131
2007Solarworld SW 225 polyPoly225 Wp134
2009SunPower SPR-315Rückseitenkontakt315 Wp193
2011LG Mono X 260Mono260 Wp162
2017JinkoSolar JKM305M PERCMono PERC305 Wp186
2023Canadian Solar CS6W-550MBPERC Halbzelle550 Wp214
2025AIKO Neostar 2P 475Back-Contact (ABC)475 Wp238
2026Eurener ULTRA DG 500Back-Contact500 Wp245
2026Eurener NEXA 720 PlusTOPCon720 Wp232

Alle Datenblätter mit Maßen, Flächen und Gewichten finden Sie in unserem Archiv Solarmodule – hilfreich zum Beispiel, wenn Sie für eine Bestandsanlage ein Ersatzmodul suchen.

Die Zeitreise im Überblick: Zelltechnologien und Wirkungsgrade

Modulwirkungsgrad 2006–2026 nach Zelltechnologie – jeder Punkt ein Datenblatt aus unserem Archiv

10 %100 W/m² 15 %150 W/m² 20 %200 W/m² 25 %250 W/m² 30 %300 W/m² 35 %350 W/m² 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 2022 2024 2026 Jahr (Stand Datenblatt) PERC Halbzellen (Half-Cut) Drittelzellen (210 mm) TOPCon Back-Contact ABC BP 4165 (2006): 13,1 % · 131 W/m² BP 4165 · 13,1 % SW 185 mono (2007): 14,2 % · 142 W/m² SW 225 poly (2007): 13,4 % · 134 W/m² SunPower 315 (2009): 19,3 % · 193 W/m² SunPower 315 · 19,3 % Kyocera 235 (2010): 14,3 % · 143 W/m² Schott 195 (2011): 14,9 % · 149 W/m² LG Mono X 260 (2011): 16,2 % · 162 W/m² LG Mono X 260 · 16,2 % Suntech 280 (2011): 14,4 % · 144 W/m² Suntech 280 · 14,4 % SW 250 poly (2012): 14,9 % · 149 W/m² Yingli 245 (2012): 15,0 % · 150 W/m² Jinko 305 PERC (2017): 18,6 % · 186 W/m² Jinko 305 PERC · 18,6 % CS 330 poly (2017): 17,0 % · 170 W/m² CS 330 poly · 17,0 % CS 550 PERC Halbzelle (2023): 21,4 % · 214 W/m² CS 550 PERC Halbzelle · 21,4 % CS 620 TOPCon (2024): 23,0 % · 230 W/m² Trina 435 (2024): 21,8 % · 218 W/m² Jinko 440 TOPCon (2025): 22,0 % · 220 W/m² AIKO ABC 475 (2025): 23,8 % · 238 W/m² Eurener ULTRA 500 (2026): 24,5 % · 245 W/m² Eurener NEXA 720 (2026): 23,2 % · 232 W/m² Tandem-Modul Oxford PV (2024): 25,0 % · 250 W/m² Tandem-Laborzelle LONGi (2026): 35,5 % Tandem-Laborzelle LONGi · 35,5 % Tandem-Modul Oxford PV · 25,0 % Eurener ULTRA 500 · 24,5 % AIKO ABC 475 · 23,8 %
Mono (Vollzelle)Poly (Vollzelle)PERCTOPCon (N-Type)Back-Contact / ABCPerowskit-TandemLaborzelle

Der Wirkungsgrad ist die Leistung pro Fläche: 200 W/m² entsprechen 20 %. Gestrichelte Linie: Entwicklung der jeweils besten Serienmodule. Senkrechte Linien: Markteinführung wichtiger Zelltechnologien im Massenmarkt (ca.). Laborzelle zum Vergleich, kein Serienmodul.

MonoPolyPERCTOPCon / N-TypeBack-Contact / SonderlösungenAusblick Perowskit
ca. 2006Mono

Kleine Zellen, kleine Module

Monokristalline Zellen im Format 125 × 125 mm, meist 72 Stück pro Modul. Mit rund 1,3 m² waren die Module handlich, leisteten aber nur 165 bis 185 Wp.

Beispiel: BP Solar 4165 – 165 Wp auf 1,26 m²

131 W/m²
2007Poly

Die 156-mm-Zelle und der Siegeszug von Poly

Polykristalline Zellen waren günstiger herzustellen und setzten sich in der Menge durch. Mit der größeren 156-mm-Zelle entstand das 60-Zellen-Modul mit rund 1,65 m². Mono blieb effizienter, aber teurer.

Beispiele: Solarworld SW 225 poly – 134 W/m² · SW 185 mono – 142 W/m²

134 W/m²
2009Sonderweg

Heterojunction von Sanyo/Panasonic (HIT)

Sanyo – ab 2009 Teil von Panasonic – kombinierte einen kristallinen Silizium-Wafer mit hauchdünnen Schichten aus amorphem Silizium. Diese Hybridzelle (HIT) erreichte schon damals deutlich höhere Wirkungsgrade und ein besseres Temperaturverhalten als Standardmodule. Panasonic zog sich 2021 aus der eigenen Modulfertigung zurück – die Technologie lebt heute als Heterojunction (HJT) bei vielen Herstellern weiter.

2009Sonderweg

Rückseitenkontakt von SunPower

Alle Kontakte auf die Zellrückseite, keine Leiterbahnen auf der Vorderseite: Das SunPower-Modul erreichte fast ein Drittel mehr Leistung pro Fläche als der damalige Standard – ein Prinzip, das heute als Back-Contact zurückkehrt.

Beispiel: SunPower SPR-315 – 315 Wp auf 1,63 m²

193 W/m²
2010–2013PolyMono

Die Ära des 60-Zellers

Das 60-Zellen-Modul mit rund 1,65 m² prägt ein Jahrzehnt lang die Dächer. Poly dominiert den Markt, Mono bleibt das Premiumprodukt. Größere 72-Zeller bringen mehr Watt pro Modul – aber nicht mehr Leistung pro Fläche.

Yingli YGE 245 (poly) – 150 W/m² · LG Mono X 260 – 162 W/m² · Suntech STP280 (72 Zellen) – nur 144 W/m²

144–162 W/m²
2016–2019PERC

PERC – und Mono überholt Poly

Die PERC-Technologie mit passivierter Zellrückseite bringt monokristallinen Modulen den entscheidenden Effizienzvorsprung. Bis zum Ende des Jahrzehnts löst Mono Poly als Marktstandard ab.

JinkoSolar 305 Wp PERC (mono) – 186 W/m² · Canadian Solar 330 Wp (poly, 72 Zellen) – 170 W/m²

186 W/m²
2020–2023Half-CutDrittelzelle

Große Wafer, Halbzellen – Poly verschwindet

Wafer mit 182 und 210 mm Kantenlänge lassen Leistung und Format wachsen. Damit der Strom pro Zelle nicht zu hoch wird, werden die Zellen geteilt: Halbzellen (Half-Cut) sind ab etwa 2019 Standard, bei 210-mm-Wafern kommen ab etwa 2021 sogar Drittelzellen zum Einsatz. Das senkt die Widerstandsverluste und macht die Module unempfindlicher gegen Teilverschattung. Polykristalline Module verschwinden fast vollständig vom Markt.

Beispiel: Canadian Solar CS6W 550 Wp auf 2,57 m²

214 W/m²
2024–2026TOPConBack-Contact ABC

TOPCon, Heterojunction und Back-Contact

N-Type-Zellen lösen PERC ab. TOPCon (Tunnel Oxide Passivated Contact) wird zum neuen Massenstandard. Die Spitzenwerte setzen Heterojunction und Back-Contact – etwa AIKOs ABC-Zelle (All Back Contact), bei der alle Kontakte auf der Rückseite liegen und die Vorderseite komplett frei bleibt. Gleichzeitig teilt sich der Markt: kompakte Module um 2 m² für Dächer, Großformate über 3 m² und 700 Wp für Freiflächen.

Trina 435 Wp – 218 W/m² · AIKO ABC 475 Wp – 238 W/m² · Eurener ULTRA 500 Wp – 245 W/m² · Eurener NEXA 720 Wp – 232 W/m²

bis 245 W/m²
AusblickPerowskit

Perowskit-Silizium-Tandem

Eine Perowskit-Schicht auf der Siliziumzelle nutzt einen größeren Teil des Sonnenspektrums. Im Labor hat LONGi im Juli 2026 mit einer Tandemzelle 35,5 % Wirkungsgrad erreicht. Erste Tandemmodule sind bereits auf dem Markt, etwa von Oxford PV mit rund 25 % Modulwirkungsgrad. Die große Aufgabe ist jetzt die Langzeitstabilität: Oxford PV peilt bis 2028 eine Lebensdauer von 20 Jahren an.

Perspektive: Module mit 30 % Wirkungsgrad hätten 300 W/m² – mehr als das Doppelte der Module von 2007.

~250–300 W/m²

Das größte Modul ist nicht das effizienteste

Am deutlichsten zeigt das der Vergleich zweier aktueller Module desselben Herstellers: Das Eurener NEXA 720 Plus leistet 720 Wp auf 3,11 m² – das sind 232 W/m². Das kompakte Eurener ULTRA mit Back-Contact-Zellen leistet „nur“ 500 Wp, aber auf 2,04 m² – das sind 245 W/m². Auf derselben Dachfläche bringt das kleinere Modul also rund 6 % mehr Leistung, bei deutlich geringerem Einzelgewicht von 23,5 statt 38,3 kg.

Eurener NEXA 720 PlusEurener ULTRA 500
Leistung pro Modul720 Wp500 Wp
Modulfläche3,11 m²2,04 m²
Leistung pro m²232 W/m²245 W/m²
Gewicht pro Modul38,3 kg23,5 kg
Typischer EinsatzFreifläche, GroßanlageDach, begrenzte Fläche

Was bedeutet das für Ihr Dach?

Rechnen wir es an einem Beispiel durch: Auf 100 m² Modulfläche hätten Sie je nach Modulgeneration installieren können:

ModulgenerationLeistungsdichteLeistung auf 100 m²
2007 (Solarworld SW 225 poly)134 W/m²13,4 kWp
2012 (Yingli YGE 245)150 W/m²15,0 kWp
2017 (JinkoSolar PERC 305)186 W/m²18,6 kWp
2026 (Eurener ULTRA 500)245 W/m²24,5 kWp
Vereinfachte Rechnung ohne Randabstände und Verschnitt.

Das ist fast die doppelte Leistung auf derselben Fläche wie vor 20 Jahren. Für die Modulwahl heißt das:

  • Begrenzte Dachfläche: Auf den Wirkungsgrad bzw. W/m² achten, nicht auf die höchste Wattzahl.
  • Handling und Statik: Kompakte Module mit rund 2 m² und 21 bis 25 kg lassen sich auf dem Dach sicher montieren. Großformate mit über 38 kg sind für die Freifläche gedacht.
  • Freifläche: Hier spielen Großformate ihre Stärke aus – weniger Module, weniger Montageaufwand pro kWp.

Das richtige Modul für Ihr Projekt

Wir führen Module verschiedener Hersteller in allen Formatklassen – vom kompakten Back-Contact-Modul für das Einfamilienhaus bis zum Großformat für den Solarpark. Sprechen Sie uns an, wir beraten Sie gern: vertrieb@eehd.gmbh.

Eine Übersicht unseres Sortiments finden Sie unter Solarmodule im Überblick.