Silber hat die Photovoltaikbranche an den Rand des Zusammenbruchs gebracht!

Der Silberpreis treibt die Photovoltaik-Branche derzeit an den Rand. Während Experten weiter über Visionen sprechen, entscheidet in Wirklichkeit ein Rohstoff über die Marge. Der folgende Beitrag ist die redaktionell überarbeitete Übersetzung eines chinesischen Branchenartikels.

Ein Markt voller Widersprüche

Silber gilt aktuell als Schuldiger der Photovoltaikkrise. Der Rohstoff birgt jedoch selbst Widersprüche. Der wichtigste Silber-Futures-Kontrakt in Shanghai liegt bei 19.840 Yuan je Kilogramm. Physisches Silber kostet in China dagegen 22.030 Yuan.

Hinzu kommt ein Aufschlag von 3.500 bis 5.000 Yuan beim tatsächlichen Kauf. Und selbst dann ist die verfügbare Menge begrenzt. Einfach ausgedrückt: Die Futures wurden über höhere Margin-Anforderungen an der Chicago Mercantile Exchange gedrückt. Am Spotmarkt herrscht jedoch ein akuter Angebotsmangel.

Warum der Silberpreis die Photovoltaik so hart trifft

Die Rechnung ist simpel. Steigt der Silberpreis um 1.000 Yuan, erhöhen sich die Kosten je Watt für Zellen und Module um einen Cent. Seit Anfang des Vorjahres ist der Preis um 15.000 Yuan gestiegen. Das entspricht 15 Cent zusätzlichen Modulkosten.

Gleichzeitig stagnieren die Strompreise für Photovoltaik. Zahlreiche Kraftwerksprojekte mit bereits erteilter Investitionsgenehmigung wurden storniert. Weder die tatsächliche Nachfrage noch die Erwartungen steigen. Deshalb ist es praktisch unmöglich, dass die Modulpreise mit dem Silberpreis Schritt halten.

Besonders beunruhigend ist die Unsicherheit nach oben. Niemand kann ausschließen, dass Silber auf 30.000 oder sogar 60.000 Yuan steigt.

Silber kennt keinen moderaten Anstieg

Die Preisdynamik von Silber übertrifft die von Gold deutlich. Entweder stagniert der Preis lange und gerät in Vergessenheit. Oder er leitet einen Trend ein und steigt anschließend zwei- bis viermal so stark wie Gold. Die Historie zeigt das eindrucksvoll:

  • 1971 bis 1980: plus rund 3.500 Prozent
  • 1998 bis 2002: plus rund 1.200 Prozent
  • seit Februar 2021: von 17,77 auf 78,02 US-Dollar je Unze, also plus 339 Prozent
  • seit dem Pandemietief im März 2020: von 12,12 US-Dollar aus gerechnet plus 544 Prozent

Der aktuelle Zyklus fällt damit schwächer aus als die beiden vorherigen. Die Photovoltaik reagiert bislang vergleichsweise gelassen. Der Grund ist einfach: Die Branche existiert erst seit gut 20 Jahren und hat einen echten Silberzyklus noch nicht erlebt.

Photovoltaik und Silber sind heute untrennbar verbunden. Gelingt es der Branche nicht, sich aus dieser Abhängigkeit zu lösen, könnte sie daran zugrunde gehen. Der Wandel hin zu silberfreien Verfahren schreitet allerdings nur schleppend voran.

Eine Vorhersage von 2024, die eingetroffen ist

Chen Gang, Vorsitzender von AIKO Solar, hatte die Entwicklung früh benannt. Bereits im April 2024 warnte er in einem Interview eindringlich vor steigenden Silberpreisen:

Der Silberverbrauch in der Photovoltaik macht bereits über 15 Prozent der weltweiten Silberproduktion aus. 2024 lag die Weltproduktion bei 31.000 Tonnen, davon 26.300 Tonnen aus Minen und 5.800 Tonnen aus Recycling. Der Bedarf lag jedoch bei 36.000 Tonnen. Diese Lücke lässt sich nur über die Reserven schließen. Wenn das so weitergeht, erreichen die Silberpreise bald ein Niveau, das sich die Photovoltaikindustrie nicht mehr leisten kann.

Chen Gang begründete damit auch die strategische Entscheidung für ABC. Das Kürzel steht für All Back Contact, also die vollständige Rückseitenkontaktierung. Diese Struktur bietet nämlich einen natürlichen Vorteil bei der silberfreien Produktion.

Silberfreie Module als Wettbewerbsvorteil

Silberfreie Technologie ist längst ein zentrales Thema der Branche. Gängige Lösungsansätze sind:

  • Kupfergalvanisierung
  • kupferplattiertes Silber, bei dem Kupfer das Silber weitgehend ersetzt
  • gestapelte Gitterstrukturen

Mehrere Unternehmen haben Durchbrüche bis 2026 angekündigt. Wer die silberfreie Fertigung zuerst beherrscht, wird angesichts der Kosten klar im Vorteil sein.

AIKO Solar gibt an, diese Technologie bereits zu beherrschen. Am Standort Zhuhai liegt die Kapazität bei 10 GW, vollständig silberfrei. Am Standort Yiwu benötigt die silberreduzierte Technologie nur rund 70 Prozent des Silbers einer TOPCon-Zelle.

Nach eigenen Angaben erwarb das Unternehmen die Technologie im November 2021 und erreichte 2022 die Massenproduktion im Gigawattbereich. Die aktuellen Vollflächenmodule leisten 670 W plus/minus 10 W. Gegenüber vergleichbaren TOPCon-Modulen nennt AIKO einen Vorsprung von 40 bis 55 Watt bei gleicher Fläche.

Warum BC und nicht HJT oder TOPCon

In der frühen Phase der n-Typ-Entwicklung untersuchte AIKO drei Ansätze: HJT, TOPCon und BC. Jeder Ansatz zeigte dabei eigene Engpässe.

  • HJT: benötigt Indiumzinnoxid für die transparente leitfähige Schicht. Indium ist selten, zu 90 Prozent an Zinkminen gebunden und wirtschaftlich nur mit 15.000 bis 16.000 Tonnen abbaubar.
  • TOPCon: ist besonders stark von Silber abhängig.
  • BC: platziert die Gitterlinien auf der Rückseite. Das erhöht den Wirkungsgrad auf der Vorderseite und erleichtert die silberfreie Metallisierung.

Der Markt bestätigt diese Richtung inzwischen. Chen Gang verweist auf die jüngsten Ausschreibungen: Produkte mit einem Wirkungsgrad von 23,8 Prozent machen rund 70 Prozent des Marktes aus. Der Markt für Module unter 625 Watt schrumpft dagegen deutlich.

Geistiges Eigentum als Instrument gegen den Preisverfall

Der Verdrängungswettbewerb trifft jedes Photovoltaikunternehmen. Anfang des Jahres führte die staatliche Marktregulierungsbehörde deshalb Gespräche mit der Branche. Preiskontrollen wurden ausgesetzt, Verbände und Unternehmen zu Sanierungsplänen verpflichtet.

Chen Gang sieht darin einen wichtigen Impuls. Zusätzlich setzt er auf Patentschutz. Im BC-Ökosystem sei das einfacher als früher bei PERC und TOPCon, weil die Technologie in wenigen Händen konzentriert ist.

Am 7. Februar gab AIKO Solar eine Patentlizenzvereinbarung mit Maxeon bekannt. Sie umfasst alle bestehenden und neuen BC-Patente der nächsten fünf Jahre, ausgenommen die USA. Beide Seiten legen damit sämtliche Patentstreitigkeiten bei. Die Details dazu lesen Sie in unserem Beitrag zum Patentlizenzabkommen zwischen Maxeon und AIKO.

Bis Ende Juni 2025 hatte AIKO 2.995 Patente angemeldet und 1.384 erteilt bekommen. Allein im ABC-Bereich waren es 1.240 Anmeldungen und 371 Erteilungen. Zusammen mit den rund 1.000 Patenten von Maxeon entsteht daraus ein belastbares Portfolio.

Was Sie daraus mitnehmen sollten

Der Silberpreis ist zum entscheidenden Kostenfaktor der Photovoltaik geworden. Für Ihre Kalkulation heißt das zweierlei. Erstens: Rechnen Sie nicht mehr mit fallenden Modulpreisen. Zweitens: Prüfen Sie, wie stark die Technologie Ihres Lieferanten von Silber abhängt.

Silberfreie und silberreduzierte Verfahren werden damit zum Auswahlkriterium. Sie entscheiden künftig darüber, welche Hersteller lieferfähig und preisstabil bleiben.

Häufige Fragen zum Silberpreis in der Photovoltaik

Wie stark beeinflusst der Silberpreis die Modulkosten?

Steigt der Silberpreis um 1.000 Yuan je Kilogramm, erhöhen sich die Kosten je Watt um etwa einen Cent. Ein Anstieg um 15.000 Yuan bedeutet somit rund 15 Cent mehr je Watt.

Warum ist Silber in Solarzellen überhaupt nötig?

Silber bildet die leitfähigen Kontakte auf der Zelle. Die Photovoltaik verbraucht dadurch inzwischen über 15 Prozent der weltweiten Silberproduktion.

Was sind silberfreie Module?

Module, deren Metallisierung ohne Silber auskommt. Üblich sind Kupfergalvanisierung, kupferplattiertes Silber oder gestapelte Gitterstrukturen.

Welche Zelltechnologie ist am wenigsten von Silber abhängig?

Rückseitenkontaktierte Zellen. Ihre Struktur erleichtert die silberfreie Metallisierung, während TOPCon besonders silberintensiv ist.

Werden die Modulpreise dadurch weiter steigen?

Solange der Silberpreis hoch bleibt und silberfreie Verfahren nicht flächendeckend verfügbar sind, ist mit sinkenden Modulpreisen nicht zu rechnen.

Sie möchten wissen, welche Modultechnologie für Ihr Projekt sinnvoll ist? Dann sprechen Sie uns über unser Kontaktformular an oder werfen Sie einen Blick in unsere Preisübersicht.

Quelle: GanTanHao (WeChat), automatische Übersetzung, redaktionell überarbeitet. Angaben und Zitate stammen aus dem Originalbeitrag.